Bilder von Helga Clauss

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Die Ursehnsucht nach dem Malen erfüllt
BREMEN. An den Lieblingsplatz ihrer Kindertage kann sich Helga Clauss noch genau erinnern: "Die Papierkiste unter der Schneidemaschine. Da waren so tolle Reste drin, mit denen man etwas machen konnte." Die Erlebnisse im sauerländischen Elternhaus mit der Druckerei und dem Schreibwarengeschäft darin prägten lebenslang. Papier, Zeichen und Farben sind für die Wahlbremerin Inspiration und Handwerkszeug zugleich.

Dabei stand das Kreative zunächst im Hintergrund, das solide Handwerk bestimmte die Lebensplanung. Der Vater, kränklich und sich seines kurzen Lebens bewusst, schärfte den drei Töchtern früh ein: "Ihr müsst euch selbst ernähren können." Wie die beiden Schwestern absolvierte deshalb auch die Jüngste eine Schriftsetzerlehre. Mit 17 Jahren wurde sie danach bereits an der Werkschule Wuppertal angenommen, wo sie sich mit Grafikdesign beschäftigte.

Ehe und Kind führten Helga Clauss früh an die Weser, "nach Bremen, direkt in den Schnoor". Eines der typischen kleinen Häuser beherbergte Wohnung und Atelier der Familie. "Ein Leben wie in der Straßenbahn", sagt die Grafikdesignerin heute und misst mit ihren Händen symbolisch die Spanne zwischen den vier Wänden dort ab.

Als Ende der 60er Jahre der Bau der Mozarttrasse drohte und die Hauspreise im Viertel fielen, zog Helga Clauss dorthin. Da lebt sie heute noch, inmitten ihrer grafischen Arbeiten. Viele Kaffeedosen, Adventskalender und Weinflaschen stehen dort auf einem hohen Regal; sie hat sie für Kunden aus der Genussmittelbranche entworfen.

Auftragsarbeiten allein aber machten die kreative Frau damals nicht glücklich. "Da fehlte etwas." So holte sie in den 70er Jahren an der Abendschule das Abitur nach und absolvierte dann ein Studium: Kommunikation und Ästhetik sowie Geschichte. "Das war eine Knochenmühle", erinnert sie sich. Doch sie bestand die Prüfungen und fasste dann den Entschluss: "Jetzt fängst du mit der Malerei an."

Seitdem hat sie ungezählte Leinwände in Bilder verwandelt. "Das war eine Ursehnsucht. Dafür habe ich ja meine Notizen gemacht." Wenn Helga Clauss nämlich aus dem Haus geht, muss eines immer mit: ein Skizzenbuch im Handtaschenformat, für Eindrücke in Form von Zeichnungen.

Das gilt besonders für Reisen. 35 Bücher hat sie bereits gefüllt. "Die Malerei lebt von dem Fremden, von dem anderen Himmel, dem anderen Licht", erklärt Helga Clauss die Reiselust. Immer wieder ist Italien das Ziel. Die Geschichte und Mythologie der Mittelmeerländer faszinieren die 65-Jährige. Wer in "Napoli" blättert - für das langjährige Vorstandsmitglied der Deutsch-Italienischen Gesellschaft eine bevorzugte Adresse - stößt etwa auf Kapern und Artischocken, auf zarte Petersilie neben Basilikum. "Dann sind die Gerüche gleich wieder da", sagt die Zeichnerin über ihre "Tagebücher".

Die "aromi & amori", die Sinnesgenüsse, zeigt Helga Clauss vom 24. Oktober bis 20. November 2008 in der Buchhandlung Leuwer, Am Wall 171. Ab 23. November sind Bilder von Helga Clauss im Logenhaus, Kurfürstenallee 15, zu sehen.

Quelle: http://www.weser-kurier.de/btag/btag_1348.php?artid=2008102300912& 23.10.2008

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